Ästhetiken und Räume des Alltags im Kontext gesellschaftlicher Entwicklung zu betrachten, ist vielfach der Ausgangspunkt einer Arbeit.
Das Ergebnis richtet sich dabei nach den örtlichen, räumlichen und situativen Gegebenheiten mit dem Ziel, Denk- und Erfahrungsräume in Bild, Text oder szenografischen Installationen zu arrangieren.
Ästhetiken und Räume des Alltags im Kontext gesellschaftlicher Entwicklung zu betrachten, ist vielfach der Ausgangspunkt einer Arbeit.
Das Ergebnis richtet sich dabei nach den örtlichen, räumlichen und situativen Gegebenheiten mit dem Ziel, Denk- und Erfahrungsräume in Bild, Text oder szenografischen Installationen zu arrangieren.







LANDSCHAFT KOCHEN
soziale Raumintervention in Kooperation mit Larry Meyer und dem Bezirksmuseum Braunau
Ein Projekt für das Festival der Regionen - Realistische Träume - https://fdr.at/
Heimathaus Braunau (AT) 2025
Beteiligte Personen:
Mina Darvish - Küchenradio
Roland Obermaier - Führungen durch das Heimathaus
Ben Simmetsberger - Dokumentation, helfende Hand
Küchen Gäste:
Samer Alkurdi - Entrée
Sophia Reißenweber und Martina Gelsinger
mit Wertschöpfung in der Kreislaufwirtschaft
Ignatius von Ebersteiner
mit Geschichten von Huhn bis Bowl
Dr. Didi Bruckmayr
mit Nationalsozialistischer Fürsorge in Österreich
Anna Gleirscher-Entner
mit Phänomenen der Diskriminierung von Sinti und Roma
Verein Strafentlassener Menschen - Re-Integrationstopf
Im Heimathaus kocht die Hühnersuppe: Zeit für Gespräche, Schweigen, Rühren, Lesen, Singen und langsames Verweilen. Täglich übernehmen wechselnde Gäste die Rolle der Köch*innen. Wer bei der Zubereitung mithelfen möchte, ist herzlich willkommen. Um 13 Uhr sind alle eingeladen, am Mittagstisch Platz zu nehmen. Jede Kelle an Erfahrungen, Perspektiven und Themen prägt das Geschmackserlebnis dieses weltweit bekannten und variierenden Gerichts, das als Heilmittel und kulturelles Symbol zur Reflexion über die wechselseitige Beziehung von Mensch und Umgebung einlädt. Zum Feierabend sitzen wir zwischen den langen Schatten des Tagewerks und lassen den Moment noch einmal nachklingen.
Bei Interesse finden täglich (außer montags) um 11:00, 13:30 und 15:00 Uhr Führungen zur historischen Handwerkskunst im Heimathaus mit Glockengießerei statt.
https://www.braunau.at/Heimathaus_mit_Glockengiesserei
Im Rahmen des Festivals der Regionen 2025 mit dem Titel „Realistische Träume“, richteten wir für 10 Tage einen offenen sozialen Raum im Heimathaus von Braunau ein, in dem wir gemeinsam mit geladenen Gästen Hühnersuppe kochten. Die lange Kochzeit von 3 bis 4 Stunden nutzen wir für Gespräche und Diskussionen zu unterschiedlichen Themen. Vorbeikommende Besucher*innen konnten sich zu uns an den Küchentisch setzen und mit kochen, oder im Garten den von uns mitgebrachten Hühnern bei ihrem Hühneralltag zu schauen, oder an einer der Führungen durch das Heimathaus teilnehmen die in Kooperation mit dem Bezirksmuseum während der Zeit des Projektes 3 x täglich angeboten wurden.
Gegen 13 Uhr gab es Suppe für alle. Die Gäste saßen an einem langen Tisch und aßen Hühnersuppe, ein variantenreiches Rezept, das überall auf der Welt gekocht wird und dem heilende Kräfte nachgesagt werden.
Das Kochen einer Hühnersuppe braucht Zeit, Zeit, um zu plaudern, Karotten zu schneiden, zu kosten, Fragen zu stellen, über die Kindheit zu sprechen, Fleisch vom Knochen zu picken und das Haus mit Gerüchen zu erfüllen. Die Rezepte und Gespräche waren jedes Mal anders. Wir sprachen über Hühnerzucht, Hygiene, Kochen als Lehrmeister im Umgang mit Frustration, warum es im Supermarkt kein Suppenhuhn und im Krankenhaus keine frische Hühnersuppe gibt, über Wohlfahrt im Nationalsozialismus in Österreich, Pflege, Unterschiede zwischen Mast- und Legehennen, wie Salz den Geschmack hervorhebt, wie Federn als Industrieabfall durch neue Verwertungskonzepte in einen Kreislauf integriert werden könnten, wie sich Diskriminierung im Leben ausbreitet, wo der Import von Eiern aus verbotener Käfighaltung in Ordnung ist, wo das Gesetz aufhört und Staaten wortlos zuschauen, warum Liebstöckel nicht Maggikraut heißen darf und dass man das braune Zeug, das oben schwimmt, abschöpfen muss, weil es schlecht ist... Alles zusammen schwimmt in der Suppe… Der ausgewählte Ort und unser räumliches Setting mit herumlaufenden Hühnern sowohl im Haus als auch im Garten, verbreiteten dabei eine beruhigende Atmosphäre.
Die Zutaten und Gespräche wurden täglich auf Tafeln notiert und zum nachlesen als Tagesmenü in den „Gastraum“ gehängt. Zusätzlich wurden die Gespräche beim kochen aufgenommen, Schnipsel davon aufgegriffen und zu weiteren Gesprächen/Interviews dazugelegt und am Abend zum Feierabend aus dem Küchenradio ausgestrahlt.
Zum öffentlichen Feierabend wurde noch einmal die restliche Suppe ausgeschenkt und man konnte im Garten oder am Tisch gemeinsam den Tag Revue passieren lassen, begleite von den am Vormittag geführten Gesprächen, die nun aus dem Küchenradio zu hören waren.
All diese Zutaten bilden zusammen den Geschmack und den Ort. Eine Landschaft mit charakteristischen, geografischen Besonderheiten und einer lebendigen Dynamik.
Contributors:
Mina Darvish - kitchen radio
Roland Obermaier - guided tours in the Heimathaus
Ben Simmetsberger - trainee
Kitchen guests:
Samer Alkurdi - Entrée
Sophia Reißenweber & Martina Gelsinger
and value creation in the circular economy
Ignatius von Ebersteiner
and stories from chicken to bowl
Dr. Didi Bruckmayr
about National Socialist welfare in Austria
Anna Gleirscher-Entner
and Phenomena of discrimination against Sinti and Roma
Verein Strafentlassenen Menschen - Re-integration pot
Chicken soup is cooking in the Heimathaus: time for conversation, silence, stirring, reading, singing and slow contemplation. Different guests take on the role of cook every day. Anyone who would like to help with the preparation is very welcome. At 1 pm, everyone is invited to take a seat at the lunch table. Every spoonful of experiences, perspectives and themes characterises the taste experience of this dish, which is known and varied all over the world and, as a remedy and cultural symbol, invites reflection on the reci-procal relationship between people and their environment. At the end of the day, we sit between the long shadows of the day's work and let the moment linger.
Guided tours of the historic craftsmanship in the Heimathaus with bell foundry take place daily (except Mondays) at 11:00, 13:30 and 15:00.
We set up an open social space in Braunau's local heritage center (Heimathaus) for 10 days, where we cooked chicken soup together with invited guests. Visitors passing by could join us at the kitchen table and help us cook, or watch the chickens that we had brought with us as they went about their daily lives, or take part in one of the guided tours of the Heimathaus, which were offered three times a day during the project in cooperation with the district museum.
At one o'clock there was soup for everyone at a long table with long benches. The guests sat there and ate chicken soup, a recipe rich in variations as it is cooked all over the world and that is said to have healing qualities.
Cooking a chicken soup takes time (we cooked for 3 hours), time to chat, chop carrots, taste what’s in the making, ask questions, talk about childhood, pick meat off the bone and fill the house with smells. Recipes and conversations were different every time. We talked about chicken farming, hygiene, cooking as dance and as teacher in dealing with frustration, why there is no soup chicken in the supermarket and no fresh chicken soup in the hospital, welfare under National Socialism in Austria, care, differences between fattening and laying hens, how salt brings out taste, how feathers as industrial waste could be integrated into a cycle through new utilization concepts, how discrimination is spreading in life, where importing eggs from banned cage farming is okay, where the law stops and states watch wordlessly, how lovage should not be called Maggi herb and that you have to skim off the brown stuff that floats on top, cause it's bad… Everything floats in the soup…
The kitchen radio picked up these conversations, moved them around in time to be heard with an after-work beer in the evening. And while eating the chicken soup leftovers from lunch, snippets from the radio were picked up, added to conversations, listened to or just left them as they were, passing by.
The chosen location and our spatial setting, with chickens running around both in the house and in the garden, created a calming atmosphere where neighbours came by to get soup and artists came by to hang out and meet other people.
All these ingredients joined to become the taste and the place. A landscape with its charactaristics, geographic specificies and vibrancy of life and seasonal change.





























